Von Syrien in die Niederlausitz

Das Evangelische Krankenhaus Luckau und die Stadtverwaltung gehen neue Wege gegen den Ärztemangel

Gerald Lehmann, Bürgermeister in Luckau
Gerald Lehmann, Bürgermeister in Luckau

Ute Gebauer wird demnächst einundsiebzig Jahre alt. Jetzt ist der Zeitpunkt für einen neuen Lebensabschnitt gekommen, für ihren Ruhestand: Die »Augenarztpraxis Dr. Ute Gebauer« in Luckau darf nicht schließen. Ein Nachfolger, ein neuer Augenarzt, scheint gefunden. Bürgermeister Gerald Lehmann hat eine Vision. Und die beginnt er umzusetzen.

In Waßmannsdorf, gut eine Autobahnstunde von Luckau entfernt, entdeckte er vielleicht den Nachfolger von Frau Dr. Gebauer: Fahdi, 34 Jahre alt, studierter Augenarzt, Syrer – Kriegsflüchtling. Seine Frau, Sherin, ist Hautärztin und auch diese Facharztstelle ist in Luckau unbesetzt. Bürgermeister Lehmann fährt nach Waßmannsdorf, holt das syrische Ehepaar ab und führt durch die Kleinstadt in der Niederlausitz. Er will die Beiden begeistern, ihnen zeigen: Luckau kann zu Eurem neuen Lebensmittelpunkt werden.

Zuhause für 37 Nationen

Mittlerweile wohnen Sherin und Fahdi in der Stadt. Nun beginnt der lange Weg durch Deutschlands Bürokratie. »Wenn wir schnell sind, dann brauchen wir mindestens anderthalb Jahre.« Der Bürgermeister hat ein Netzwerk gegründet und ehemalige Lehrer aktiviert. Sie sollen den Syrern die komplizierte deutsche Sprache beibringen. Dann kommen Gespräche mit Behörden und der Ärztekammer in Cottbus, auch da unterstützt sie Gerald Lehmann. Helfen möchten auch die Verantwortlichen vom Evangelischen Krankenhaus Luckau. Wie zum Beispiel Harald Wulsche, der Chefarzt für Geriatrie. »Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, wollen arbeiten, dürfen es aber nicht.« Das sei schlimm in einer Region, in der Ärzte weniger werden, »das müssen wir ändern«. Das Evangelische Krankenhaus will dem syrischen Ärztepaar helfen. »Wir wollen ihnen eine neue Bestimmung in ihrer ärztlichen Tätigkeit geben.« Und zugleich neue Wege gegen den Ärztemangel ausprobieren. Im Nachbarort habe das schon funktioniert, berichtet Bürgermeister Lehmann, dort hat sich ein HNO-Arzt niedergelassen. Auch er ein Kriegsflüchtling. »Warum sollte das auch nicht hier, bei uns gelingen?« In Luckau, der Stadt, in der schon jetzt Bürger aus 37 Nationen leben »und die auch alle ihr Zuhause nennen«.

Willkommen in Luckau

»Wir wollen Anpassungslehrgänge mit ihnen absolvieren, auch Weiterbildungskurse anbieten.« Der Augenarzt und die Hautärztin haben sich bei einem Rundgang im Krankenhaus schon umgesehen. Harald Wulsche möchte mehr und unbedingt die vielen gut ausgebildeten Fachkräfte einbinden, die ihre Zeit unbeschäftigt in einem Übergangsheim verbringen müssen. Als wichtiges Integrationsprojekt im Kampf gegen den Ärztemangel bezeichnet er diesen erfüllbaren Wunsch. Natürlich, da gebe es Besonderheiten, die man berücksichtigen und akzeptieren müsse – das gelte für beide Seiten. »Da muss so Vieles geklärt und besprochen werden.« Und die Luckauer, würden sie zu einem arabischen Arzt gehen, einem persischen, schwarzafrikanischen? »Aber natürlich, die Luckauer haben damit überhaupt kein Problem.« Weil doch schon viele internationale Mediziner im Luckauer Krankenhaus arbeiten würden, meint Gerald Lehmann. »Und die Patienten gehen gern zu diesen Ärzten.« Der Bürgermeister will eine Willkommenskultur in Luckau aufbauen, »Mensch Luckau« heißt ein vielbeachtetes Projekt, das auf die Aufnahme von knapp zweihundert Flüchtlingen am Ende des Jahres vorbereiten soll. Die Luckauer sind interessiert, beteiligen sich und zeigen Weltoffenheit. Und sie engagieren sich so auch gegen den Ärztemangel in der Region. Für sich und ihre Gesundheit.

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Harald Wulsche
Chefarzt Geriatrie
im Ev. Krankenhaus Luckau

Kontakt

Evangelisches Krankenhaus Luckau
Berliner Straße 24, 15926 Luckau
Tel. (03544) 58-0
info.luc@diakonissenhaus.dee
www.ekh-luckau.de

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