Den richtigen Rhythmus finden

Die Epilepsieklinik Tabor verschafft Epilepsiebetroffenen neue Perspektiven

Bernau ist einer von zwei Standorten des Epilepsiezentrums  Berlin-Brandenburg.
Bernau ist einer von zwei Standorten des Epilepsiezentrums Berlin-Brandenburg.

Bitte nicht »Epileptiker« sagen. »Damit engt man den Menschen zu sehr auf seine Krankheit ein.« Professor Hans-Beatus Straub will Vorurteile abbauen, zu viele Klischees sind mit der Krankheit verbunden. Epilepsiebetroffene, sie behandeln Straub und seine Kollegen in einer Einrichtung, die sich ausschließlich mit dieser komplexen Krankheitsgruppe befasst. Bis zu sechzig stationäre Behandlungsplätze stehen zur Verfügung, tausende Betroffene werden jedes Jahr auch ambulant behandelt. Sie kommen in die Epilepsieklinik Tabor, um endlich von den Anfällen befreit zu werden.

Das Ziel: Kontrolle

Epilepsie, das ist eine Rhythmusstörung. Professor Straub bezeichnet sie sogar als Rhythmuskatastrophe, die oft von einer bestimmten Region im Gehirn ausgeht und andere Regionen aus dem Takt bringt. Diese Disharmonie im Kopf dauert manchmal nur wenige Sekunden, selten länger als zwei, drei Minuten. In dieser Zeit »machen die Gehirnzellen Unsinn«. »Es gibt Anfälle, da kann der Betroffene für Sekunden nicht sprechen«, erklärt Professor Straub. Und dann wären da die Anfälle, nach denen der Epilepsiekranke von seinen Angehörigen gesagt bekommt: »Du hast gerade nicht reagiert, dein Blick ist ins Leere gegangen«.

Warum sieht man in der Öffentlichkeit keine Menschen, die plötzlich einen Anfall erleiden? »Das hat viele Gründe.« Einige Anfallsformen verlaufen so subtil, dass die Öffentlichkeit nichts davon mitbekommt. Insgesamt sind die Anfälle, auch die spektakulären, seltener geworden – »wir können besser behandeln«. »Wir helfen Schwerbetroffenen, die sich nicht mehr trauen, ihre Wohnung zu verlassen«, nicht nur aus Angst vor einem Anfall an sich, auch aus Scham. Epilepsie wird auch heute noch oft als Makel empfunden, Betroffene werden ausgegrenzt. Drei Viertel der Betroffenen können Experten wie Professor Straub mit Medikamenten so gut einstellen, dass sie ohne Nebenwirkungen anfallsfrei bleiben. Diese Medikamente schützen vor den Anfällen, die Ursachen – oft nur kleinste Veränderungen des Hirngewebes – können sie aber nicht beseitigen. Daher ist in den meisten Fällen eine lebenslange Therapie erforderlich.

Patienten sollen sich angenommen fühlen

Es gibt also Ursachen und manchmal auch Anlässe »und das ist das Grundverständnis, das man von der Krankheit haben muss«. Einige Epilepsiebetroffene wissen genau, was sicher einen Anfall auslöst – Reflexepilepsie, eine seltene Form. Dann kommt die Gruppe der Betroffenen, die eine ungefähre Ahnung haben, was den nächsten Anfall bewirken könnte, bei manchen zum Beispiel Schlafentzug. Bei den meisten Betroffenen lassen sich aber keine Auslöser erkennen, die Anfälle treffen sie »aus heiterem Himmel« – eine große Belastung.

Epilepsiebetroffenen wirksam zu helfen schließt viele Dinge ein, besonders, wenn Anfallsfreiheit nicht erreicht werden kann: Aufklärung, Abbau von Ängsten und Vorurteilen, manchmal berufliche Neuorientierung und vieles mehr. »In unserer Klinik helfen wir den Patienten, mit der Krankheit zurechtzukommen – in allen Lebensbereichen.«

Die Epilepsieklinik Tabor behandelt daher auch begleitende psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen: Tabor und Bethel in Bielefeld sind die einzigen Einrichtungen mit diesem speziellen Versorgungsangebot in Deutschland. Beide Kliniken gehören zu den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Tabor bietet zusammen mit dem Kooperationsnetzwerk des Epilepsiezentrums Berlin-Brandenburg das gesamte Spektrum moderner Epileptologie auf höchstem Niveau. »Unsere Patienten sollen sich angenommen fühlen«, betont Professor Straub, »wir wollen die Menschen spüren lassen, dass sie in einem christlich geprägten Haus professionelle Unterstützung bekommen, gleichsam, dass wir mit ihnen die Meile mehr gehen.«

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Prof. Dr. Hans-Beatus Straub
Chefarzt

Kontakt

Epilepsieklinik Tabor
Epilepsiezentrum Berlin-Brandenburg
Ladeburger Straße 15, 16321 Bernau b. Berlin
Tel. (03338) 752-0
h.straub@epi-tabor.de
www.epi-tabor.de

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